Liebe Community,
wer in einer Arztpraxis arbeitet, weiß: Der Praxisalltag ist oft turbulent, zeitkritisch und emotional herausfordernd. Als MFA, Praxismanager oder Teamleitungen erleben wir tagtäglich, wie wichtig ein gut funktionierendes Miteinander ist, besonders die Zusammenarbeit mit unseren Chef:innen und Ärzt:innen. Denn obwohl wir vieles im Hintergrund regeln, organisieren und auffangen, ist gute Führung ein zentraler Baustein dafür, wie wohl sich ein Team fühlt und wie stabil es bleibt.
Über die Jahre habe ich viele Führungsstile erlebt: Manche haben mich inspiriert, andere wiederum völlig abgekoppelt vom Teamgeschehen. Heute, in meiner Leitungsposition, kenne ich beide Seiten: die Erwartungen der MFAs und die Herausforderungen auf der Führungsseite. Gerade, weil in vielen Praxen die ärztliche Rolle, die Führung und die Geschäftsführung in einer Person zusammenfallen, geht gute Führung im turbulenten Alltag oft unter.
Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag nicht kritisieren, sondern aus der Praxis berichten, was MFAs sich von ihren Chef:innen wünschen; als Einladung, die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Denn am Ende profitieren alle: das Team, die Chef:innen und unsere Patient:innen.
1. Kommunikation auf Augenhöhe: kein Luxus, sondern Grundlage
Ehrliche und wertschätzende Kommunikation ist der Schlüssel zu so vielem. In der Praxis gehen Gespräche aber oft zwischen zwei Patient:innen verloren, werden nicht zu Ende geführt oder nur das Nötigste wird besprochen, weil die Zeit fehlt. Lob oder konstruktive Kritik bleiben so schnell auf der Strecke.
MFAs möchten nicht nur informiert werden, wenn etwas nicht gut läuft. Wir möchten von Anfang an mitgedacht und eingebunden sein. Ein kurzes „Wie siehst du das?“ oder ein Update vor einer Umstellung im Ablauf macht einen großen Unterschied. Viele Missverständnisse entstehen nicht durch böse Absicht, sondern schlicht durch fehlende Kommunikation. Wenn Chef:innen Entscheidungen offen begründen oder das Team einbeziehen, nehmen sie viele Bedenken von vornherein weg.
Doch wie kann man das im Alltag umsetzten? Meine Ideen:
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Kurze, regelmäßige Teambesprechungen (10–15 Minuten) am besten wöchentlich einen festen Termin.
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Entscheidungen transparent treffen und die jeweiligen Hintergründe erklären.
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Auch mal aktiv nachfragen: „Wie ist gerade eure Stimmung im Team?“
2. Transparenz schafft Vertrauen
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist offene Kommunikation besonders wichtig. Wenn Gehaltserhöhungen verschoben werden oder Strukturen verändert werden, wollen wir den Kontext verstehen. Was wir nicht wissen, füllen wir mit eigenen Interpretationen und das führt schnell zu Unsicherheit oder Frust.
Ein ehrliches Gespräch über Hintergründe schafft Verständnis. Selbst unpopuläre Entscheidungen können wir eher mittragen, wenn sie nachvollziehbar sind. Und manchmal entstehen durch Einbindung auch wertvolle Ideen: Einige der besten Vorschläge habe ich schon von Azubis bekommen.
3. Wertschätzung ist mehr als eine Weihnachtsfeier
Viele MFAs leisten täglich Großes: Wir beruhigen aufgebrachte Patient:innen, organisieren Notfalltermine, springen bei Krankheitsausfällen ein und behalten auch in stressigen Phasen den Überblick. Was wir uns wünschen? Dass diese Leistungen gesehen werden, nicht nur einmal im Jahr zur Weihnachtsfeier.
Wertschätzung bedeutet nicht automatisch Geld oder Extras. Es sind oft Kleinigkeiten:
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Ein „Danke, ich weiß, die Woche war stressig, aber mit euch schaffen wir das“.
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Ein kurzes Feedback wie „Das hast du gut gelöst“.
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Zuhören, wenn jemand überlastet ist.
Diese kleinen Gesten motivieren mehr, als man denkt und oft nachhaltiger als jeder Bonus.
4. Vertrauen statt Mikromanagement
Kaum etwas frustriert mehr, als wenn jede Handlung kontrolliert wird, obwohl man seit Jahren im Job ist. Viele MFAs sind engagiert, erfahren und verantwortungsvoll. Sie brauchen Vertrauen in ihre Kompetenz. Wer Verantwortung übergibt, wird oft positiv überrascht und entdeckt dabei vielleicht sogar verborgene Talente.
Vertrauen heißt auch: Fehler dürfen passieren. Wichtig ist, wie man damit umgeht. Gute Führung heißt, Orientierung zu geben, statt Kontrolle auszuüben.
Fazit & Ausblick für Teil 2
Die Grundlagen einer guten Zusammenarbeit in der Praxis liegen in Kommunikation auf Augenhöhe, Transparenz, Wertschätzung und Vertrauen. Das sind die Basics, die dafür sorgen, dass sich MFAs gesehen und ernst genommen fühlen und dass eine Praxis auch in stressigen Phasen stabil bleibt. Ohne diese Basis drohen Missverständnisse, Frust und eine wachsende Distanz zwischen Chef:innen und Team.
Im zweiten Teil möchte ich darauf eingehen, wie Chef:innen ihr Team auch langfristig stark halten können durch Unterstützung in schwierigen Situationen, gemeinsame Ziele und flexible Lösungen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Außerdem möchte ich Beispiele aus unserer Praxis teilen, die bei uns besonders gut funktionieren.
